Wie lassen sich neue Features per Live-Verbindung auf einem alten Releasestand nutzen?

Autor: Arne Brand | Veröffentlicht: 08.10.2020

In der SAP Analytics Cloud werden in regelmäßigen Abständen neue Features eingeführt. Welche Optionen es gibt, um diese mit einer Live-Verbindung auch bei einem alten Releasestand des Quellsystem nutzen zu können wird in diesem Beitrag am Beispiel des ITSM-Reportings der Nagarro ES aufgezeigt.

Die Relevanz der SAP Analytics Cloud

Das Thema SAP Analytics Cloud (SAC) gewinnt bei uns und unseren Kunden immer mehr an Bedeutung. Damit steigt auch der Wert von Praxiserfahrungen und Lessons Learned ungemein. Dabei hat sich insbesondere als wertvoll erwiesen die Grenzen der SAC früh auszuloten, um frühzeitig Fehler zu vermeiden.

Aus diesem Grund wird dieser Beitrag eine der SAC-Lessons Learned betrachten: unsere Erfahrungen mit der Interaktion zwischen alten Releaseständen von Quellsystemen und der SAC. Als Beispiel dient dafür das Nagarro ES-eigene IT Service Management Reporting (ITSM-Reporting).

Was ist die SAC?

Die SAC ist seit einigen Jahren das Tool, welches von der SAP für Reporting und Planung nach vorne gebracht wird. Dies spüren wir auch bei Nagarro ES, denn immer mehr Kunden äußern Interesse an der Lösung. Die SAC lässt sich kurz folgendermaßen beschreiben:

  • Seit 2016 verfügbar

  • Software-as-a-Service, keine lokale Installation nötig!

  • Reporting, Planung und Prediction in einem Tool

  • Keine Einstiegshürden, klein anfangen, dann auf breite Anwenderschaft ausrollen

Verbindungen zur SAC

Da die SAC ohne Daten nur eine Hichert-konforme Hülle ist, müssen darin auch Daten bereitgestellt werden. Hierfür bietet SAP zwei verschiedene Wege an: Live- und Datenimport-Verbindungen.

Bei der Live-Verbindung erfolgt der Datenzugriff zur Laufzeit direkt auf das Quellsystem. Lediglich die Metadaten der Modelle und Stories werden in der SAC gespeichert, die Daten verlassen das Unternehmensnetzwerk nicht und werden im Browser des Anwenders mit den Metainformationen der Stories zusammengeführt und visualisiert. Live Verbindungen sind zu verschiedenen SAP-on Premise und -Cloud-Systemen möglich.

Bei der Datenimport-Verbindung dagegen werden die Daten in die SAC repliziert. Dies passiert, wie im Analytics-Umfeld üblich, über eine Extraktion mit Importjobs aus dem Quellsystem. Im Gegensatz zur Live-Verbindung stehen bei einer Datenimport-Verbindung eine Vielzahl von SAP und non-SAP-Systemen zur Auswahl. So lassen sich zum Beispiel auch Verbindungen zu Fileservern, SQL-Datenbanken und 3rd Party Cloud Services wie Salesforce herstellen.

Verbindungen zur SAC: Schaubild

ITSM-Reporting bei Nagarro ES

Bei Nagarro ES ist ein alltägliches und zentrales Thema das Service Management. Um das ITSM-Reporting visuell ansprechend auswerten zu können, wurde das ITSM-Reporting auf der SAC aufgebaut. Die Daten stammen dabei aus dem Solution Manager 7.40 (SolMan), welcher über eine SAP BW Live-Verbindung an die SAC angebunden wurde. Diese ist Stand heute ein BW 7.40 SP22 (es gibt noch kein BW 7.5 für den SolMan).

Praxiserfahrungen in der Implementierung haben gezeigt, dass der alte Releasestand der BW-Komponente des SolMan ein Problem darstellt. Da es nur knapp über den Mindestanforderungen für eine Live-Verbindung von 7.4 SP17 ist, stehen nur eingeschränkt Features auf der SAC zur Verfügung (die SAP empfiehlt aktuell mindestens ein BW 7.5 SP16 für eine Live Verbindung einzusetzen). Visualisierungen sind nur rudimentär möglich und oftmals muss auf einfache tabellarische Darstellung oder simple KPIs zurückgegriffen werden. Features wie die GeoMap oder komplexe Filter sucht man hier vergeblich. Klar ist also: Wenn die Anforderungen steigen, ist dies mit der aktuellen Architektur wahrscheinlich nicht zu erfüllen.

Middleware

Es stellt sich also die Frage, wie man dieses Problem lösen kann. Der erste Blick sollte immer auf ein Upgrade des Systems gelegt werden. Ist dies wie im Fall der SolMan BW-Komponente nicht möglich, müssen Alternativen gesucht werden.

Als eine mögliche Lösung bietet sich das BW/4HANA an. Indem die Daten über ein BW/4HANA auf einem neu(ere)n Release in die SAC gelangen, sind auch die neuesten Features wie GeoMaps auf eigenen Hierarchien verfügbar. Hier eröffnet sich zusätzlich noch die Möglichkeit weitere Datenquellen dazu zu lesen, indem die Daten im BW/4HANA angereichert werden. Mit einigen technischen Tricks ist es dabei sogar möglich die Funktionalität der Live-Verbindung der Bewegungsdaten aufrecht zu erhalten. Ein wichtiger Hinweis hierbei: die Beibehaltung einer (doppelten) Live Verbindung zur Quelle ist ein technischer Workaround, der im Einzelfall kritisch betrachtet werden muss.

Wer über den Einsatz eines BW/4HANA zu diesem Zweck nachdenkt, kommt an der Preisfrage nicht vorbei. Denn es ist eine Mehrsystemlandschaft analog zur Landschaft der SAC notwendig. Ein BW/4HANA nur für diesen Zweck anzuschaffen ist wahrscheinlich unverhältnismäßig.

Wenn bereits ein SAP ERP System im Einsatz ist, lässt sich die darin vorhandene BW-Komponente für die Verbindung nutzen. Dabei ist ebenfalls wieder der Releasestand zu beachten. Jedoch ist es hier oftmals möglich ein Upgrade durchzuführen, um einen angemessenen Funktionsumfang in der SAC zu erhalten. Bei dieser Lösung fallen in der Regel keine zusätzlichen Kosten an, sondern nur die Kosten der Implementierung und Wartung. Es gelten dieselben Hinweise zur doppelten Live Verbindung wie beim BW/4HANA.

Bei beiden Lösungen muss immer die Verhältnismäßigkeit im Blick behalten werden. Die Frage muss auch an das Business gerichtet werden: Wie weit ist man von den erfüllten Anforderungen entfernt? Gibt es nicht auch Wege mit den Funktionseinschränkungen zu leben? Wäre es akzeptabel die Daten aus den problematischen Systemen in die SAC zu replizieren? Letzterer Punkt würde vollkommen unabhängig vom Releasestand des Quellsystems die Nutzung aller SAC Features eröffnen, ist aber auf ein angemessenes Scheduling angewiesen, da die Daten nicht mehr Live zur Verfügung stehen.

Fazit

Nur weil ein Quellsystem für ein SAC Live-Reporting einen alten Releasestand hat, heißt das noch lange nicht, dass es keine Möglichkeiten gibt die volle Stärke der SAC nutzen zu können. Jedoch sollten der Aufwand und die Kosten gegen den Nutzen aufgewogen werden.

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